Blog: 02 Erst hinter dem Ego kommt das Paradies

02 - Erst hinter dem Ego kommt das Paradies

Wenn du zu intrinsisch motivierten, proaktiv umsetzenden und Resultate erzielenden Mitarbeitenden kommen willst, darfst du zuerst dein Ego überspringen. Warum? Weil du Ergebnisse willst. Warum wirklich? Das erzähle ich dir in meiner Geschichte.

 

Mein erster Eindruck vom „Leben nach der Schule“ war etwas zu schaffen und mit den eigenen Fähigkeiten Kolleg*innen den Arbeitsalltag zu erleichtern – also gebraucht zu werden. Mit diesem Gefühl und den unternehmerischen Grundannahmen bin ich nach 4 Jahren Ausbildung und Festanstellung an die Universität gegangen (dazu mehr im Profil). Direkt aus der Praxis mit täglich geschaffenem Mehrwert ins „faule“ Studentinnenleben einzutauchen war ein Fall in die gefühlte Nutzlosigkeit. Die Lösungsorientierung in mir hatte eine Idee: warum nicht direkt ein soziales Start-Up gründen? 🙂 Wo sonst, wenn nicht an der Uni?

 

Gemeinsam mit 7 anderen motivierten, engagierten Studierenden bauten wir ein kleines Unternehmen auf – mit dem Ziel, es an den Geschäftspartner zu übergeben. Gesagt getan. Ganz reibungslos wurden wir DIE Marke bei der Zielgruppe. Jede*r wusste, wer wir sind und innerhalb von einem Jahr generierten wir regelmäßige Umsätze. Ein halbes Jahr später konnten wir das aufgesetzte und erprobte Paket an den Partner abgeben. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute…

 

Schöne Geschichte? Nein, leider ging das Ganze nicht so traumhaft über die Bühne – oder lieber: zum Glück konnten wir sehr viel daraus lernen. 

 

      1. Das Team bestand aus Studierenden verschiedenen Alters, Studiengangs und Semesters. Die einen hatten mal mehr, die anderen mal weniger zu tun. Termine mit allen zu finden war zu Beginn „unmöglich“ und das Studium hatte natürlich bei allen eine höhere Priorität.
      2. Dass zusätzlich das ganze Engagement freiwillig war, trug ebenfalls nicht unbedingt zum Commitment bei. Aufgaben wurden nicht erledigt. Termine nicht eingehalten. Die Qualität und Geschwindigkeit unseres Erfolgs sank.
      3. Selbst der letzte Rettungsversuch meinerseits, ablenkende Privatgespräche während der lediglich 1- bis 2-stündigen Treffen zu unterbinden (Bullshit-Button), führte zu Unzufriedenheit und Unbehagen bei allen.
      4. Wir hatten lange keine Reichweite, kein adäquates Geschäftskonzept und keine Resultate. 

Trotz gemeinsamer Kochabende, ähnlicher Altersgruppen, gemeinschaftlicher Verteilung der Aufgaben und sozialen Motiven.

 

Und an was lagen all diese Themen? Nicht nur „an den anderen“. Nicht nur „an mir“ als Führungskraft. Sondern am Setting, das wir uns nicht zur Umsetzung ausgerichtet haben:

  • Keine gemeinsamen Ziele
  • Keine gemeinsamen Selbstverständlichkeiten (so nenne ich Regeln)
  • Business stand über Menschlichkeit
  • Ineffiziente, unregelmäßige Meetings
  • Wenig Raum für Meta-Gespräche über Zwischenmenschliches

 

Das alles haben wir in einem sehr offenen Gespräch erörtert und sind zu passenden Lösungen gekommen. Mit diesen hatten wir endlich wieder gute, schnelle Resultate, waren glücklich für „unser Ding“ zu arbeiten und haben uns gegenseitig bei der Entwicklung unterstützt. Und erst dann ist unser Start-Up „durch die Decke gegangen“ und die Geschichte von oben hat sich bewahrheitet. Wir waren das am schnellsten erfolgreiche Start-Up im lokalen Enactus-Netzwerk.

 

Was lernen wir daraus? Auch wenn Kritik vielleicht erstmal weh tut: 

a) Biete als Projektleitung, Führungskraft, Manager immer einen angstfreien Raum für deine Mitarbeitenden, in dem du mit deinem Team zurückblicken und offen über Probleme sprechen kannst. 

b) Kümmere dich zuerst um das Wohl der Menschen statt deinem von der Kritik eingeschnappten Ego nachzugeben. 

 

Eine Retrospektive ist dabei ein für viele Kontexte geeignetes Tool. Wie du eine Retrospektive einsetzt, was die Do’s and Dont’s sind, erfährst du in einer der nächsten Blog-Artikel. Stay tuned.

Welche Erfahrung kommt dir nach diesem Artikel direkt in den Sinn? Wo musstest du deine Grundannahmen als Führungskraft kräftig hinterfragen? Tausch dich bei Linked-In in unserer konSINNtrierten Community aus.

 

 

Einfach mal machen?

Melanie Postler

konSINNtriert Consulting

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